Fantasy-Serien

Sinclair - Ein neuer Anfang für John Sinclair
2019-heute, Fischer/TOR-Verlag, Frankfurt am Main, Autor: Dennis Erhardt
 
noch offen
 

1+ Bände (Serie?)
Taschenbuch, broschiert, 12,6 x 20,5 [cm]
464 Seiten, Verkaufspreis: 12,00 €
Erscheinungsweise: ---
Indizierungen: keine

TOP-Info:
Reboot eines Klassikers; der Serien-Start?

noch offen  
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Wie hätte die beliebte und bekannten Heftromanserie um den Oberinspektor von Scotland Yard ausgesehen, wenn sie nicht 1973, sondern heute neu begonnen worden wäre?
Dies ist die Idee hinter diesem Projekt, von dem man zu Beginn nicht wusste, ob es ein One-Shot werden würde. Sollte vielleicht nur die Geschichte "Mein erster Fall" modernisiert werden?

Das Nachwort der beiden Ideengeber Dennis Erhardt und Sebastian Breidbach in "Dead Zone" macht klar, dass dies weder eine reine Modernisierung einer bestehenden Geschichte werden soll, noch ein einzelner Roman. Denn die Story ist noch nicht vollständig erzählt und so wird schon im Nachwort klar, dass der Folgeband "Underworld" heißen wird.

Vielmehr wird die bekannte Figurenkonstellation neu aufgebaut, eine düsterere, zeitgemäßere Welt geschaffen und mehr Wert auf Realtätsnähe gelegt: So erhält John Sinclair nicht nur erstmals einen Dienstgrad, den es bei der Metropolitan Police wirklich gibt, sondern die Autoren haben ihre Schauplätze selbst besucht, mit der Metropolitan Police Kontakt aufgenommen und viel getan, um das Jahr 1973 aus dem Roman zu tilgen und durch das Jahr 2017 und ein realistisches Zeitgeschehn zu ersetzen.
Wichtig war dabei die "erkennbar reale Welt" und Figuren, die in heutiger, tatsächlicher Polizeiarbeit verhaftet sind und erstmals mit der Existenz des Übersinnlichen konfrontiert werden (aus dem Nachwort, S. 459). So erhalten nun z. B. auch Suko (pardon jetzt korrekt: Zuko Gan) und Shao erstmals vollständige, herkungstgerechte Namen ...

"Die Wiedergeburt einer Kultfigur: John Sinclair ist zurück – zeitgenössischer, unheimlicher und düsterer als je zuvor. »Sinclair - Dead Zone« erzählt die Geschichte des berühmten Geisterjägers noch einmal völlig neu und von Anfang an." (Verlagswerbung)

Nein, keine reine Neuerzählung, keine Else-Wolrd-Story, sondern ein echtes Reboot mit modernen Vorzeichen!

Ob es was geworden ist? Das muss der Roman erst noch zeigen - derzeit ruht er noch im Stapel auf dem Nachttsich ...

Natürlich ist der Band auch als ebook erschienen.

Das ehrgezige Projekt sah von vorneherein eine parallele Begleitung durch eine eigene Hörspiel-Serie (-Staffel) vor. Kein Wunder, sind die beiden an der Geburt der Idee Beteiligten auch selbst tief im Geschäft mit Hörspielproduktionen tätig.

Und so steht - wie seit über einem Jahr auch angekündigt - auf der ersten Klappbroschurseite zu lesen, dass der Roman auch gleichzeitig als Hörspielserie bei Lübbe Audio erscheint. Nun, ganz gleichzeitig, damit wurde es nichts, denn die erste Hörspielfolge ist nun auf den 29.02.2019 verschoben und der letzte der insgesamt 6 Teile der ersten Staffel (eben zum ersten Buch) wird es wohl erst im Laufe des Jahres 2020 geben.

Das Buch hingegen weist im Impressum die Angabe "Februar 2019" auf, ist jedoch bereits seit dem 23.01.2019 im Handel erhältlich.

Igor's Gedanken:

John Sinclair ist ein Klassiker. Ein Urgestein der deutschen Unterhaltungsliteratur. Von mir aus auch eine Ikone, wenn man so will.
Serie und Figur gehören zu den ganz Großen der Branche und steht, mal mehr und mal weniger, auf einer Ebene mit Jerry Cotton und Perry Rhodan.
Das Problem bei John Sinclair war auch nicht die vehemente Weigerung seines Autors, Brutalitäten und Grausamkeiten zu schildern – einen Vorwurf, den man über Jahrzehnte immer wieder hörte.

Vielmehr ist John Sinclair m. E. ein Kind der 1970er Jahre, das den Lauf der Zeit in einer Art Blase zu überdauern versuchte. Schuld daran ist übrigens bei den Fans „der ersten Stunden“ nicht unbedingt der Autor, sondern einen großen Anteil an der Unveränderlichkeit der Figur hat Vicente Ballestar, dessen Zeichnungen John Sinclair in den Köpfen verankert hat – einen John Sinclair der in den 1970er und 1980er Jahren zu Hause war! Das mag bei den Neulesern ab den 1990er Jahren vielleicht nicht mehr so ausgeprägt der Fall sein.

Insgesamt scheint so, dass erst das Jahr 2014 dieses vorliegende Reboot möglich machte, als Jason Dark die Rechte seiner Figur vollständig an den Lübbe-Verlag abtrat.
Vielleicht nicht die schlechteste Idee, da John Sinclair leider nicht so gut gealtert ist, wie Helmut Rellergerd wohl gehofft hatte. Dabei hat er sich Mühe gegeben, bei seiner Figur keine Müdigkeitserscheinungen aufkommen zu lassen. Die moderne Zeit zog in die Geschichten ein, die im Laufe der Zeit aber nicht mehr an die legendären ersten, sagen wir 250-350 Romane anschließen konnten.
An John Sinclair prallten die 1990er und die frühen 2000er Jahre ab. An seiner Kleidung, seiner Umgebung, seiner Art – gleichgültig, ob er nun sein Auto wechseln musste und immer modernere Computer und Handys benutzen durfte. Egal, wie schnell und wendungslos sich ein Fall auf 64 Seiten auch entwickelte, hatte man immer das Gefühl, dass es alles gemächlich, nacheinander und ohne Hektik geschah. Dieses Problem kennt man von guten, alten Filmen, die mit vergleichsweise statischer Kamera gedreht wurden und mit wenigen Schnitten auskommen. Rasante Action und hektische Szenenwechsel hätten auch nicht zu unserem alten Freund John gepasst – oder dem Schreibstil von Jason Dark.
Aber spätestens ab Ende der 1980er Jahre wirkten Figuren und Geschichten nach und nach etwas altmodisch. Anfänglich noch retro-verklärt, fragte man sich Mitte der 1990er Jahre dann doch, ob dem Helden und seinen Abenteuern eine Frischzellen-Kur nicht ganz gut getan hätte.

Glücklicherweise für den wirtschaftlichen Erfolg der Serie, hielten auch teils deutlich gelangweilte Leser ihrem Kindheitshelden aber oft weiterhin die Stange: aus Nostalgiegründen oder als „Komplettsammler“. Man fragte sich doch dann und wann, wer die gekauften Romane den eigentlich überhaupt noch las.
Aus den Sinclair-Leser-Fans waren scheinbar Sinclair-Nostalgiker geworden. Schade!

Wie erfrischend war es da, dass in den späten 1800er Bänden daher echte Co-Autoren auftauchten! Und die Veränderung tat der Serie durchaus gut. Nicht aber für den harten Kern der treuesten Sinclair-Fans, denen die neuen Autoren das eine oder andere Mal ein Dorn im Auge waren.
Wie schon 30 Jahre zuvor, als die „versteckten“ Gastautoren bekannt wurden. Aber offen und schonungslos: Viele dieser rund 50 alten Romane gehören nicht gerade zu den schlechtesten der Serie, ganz im Gegenteil!

Und dann 2017 der nächste Schlag: Neue Sinclair-Bücher. Zunächst aber ohne einen angekündigten Roman von Jason Dark, dafür mit einem Zweiteiler von Wolfgang Hohlbein, der - fast unvermeidlich -  sein spezielles Cthulhu-Universum in die Sinclair-Welt brachte.
Welch ein Aufschrei!
Sogar bei mir! Nuuur, war es bei mir die hervorbrechende Begeisterung über eine Sinclair-Else-World-Story, die das Sinclair-Team in einer modernen, realistischeren Welt zeigte und eben diese Welt in ein Chaos stürzte, das eine echte Bedrohung war – wirklich spannend zu lesen, nicht zuletzt, da die Sinclair-Erfolgsgarantie fehlte.
Das heißt aber nicht, dass ich mir Romane wünschen würde, in denen der Held jedes Mal versagt oder die immer tragisch enden. Ich war eigentlich froh, dass diese Zeit in Film, Funk, Fernsehen und Büchern endlich vorüber zu sein scheint und Helden auch wieder siegen und überleben dürfen.

Die neuen Co-Autoren wie Ian Rolf Hill oder Rafael Mraques und eben nicht zuletzt Wolfgang Hohlbein mit seinem Else-World-Sinclair haben mich mit der Serie versöhnt. Mein Dank sei den Autoren gewiss, denn langsam wandele ich mich wieder vom Sinclair-Nostalgiker zum John-Sinclair-Leser – und es macht wieder Spaß.
Nein, Jason Dark soll damit nicht abgewertet werden, aber seine Geschichten konnten der Zeit nicht standhalten. Statt der nur teilweisen Anpassungen, hätte er vielleicht versuchen sollen, seine Romane auch weiterhin in der Vergangenheit spielen zu lassen.
Natürlich ist mir klar, dass das nur rückblickend eine sinnvolle Meinung sein kann!
Ein 1970er-Sinclair hätte in den 1990er Jahren niemals funktioniert …

Und nun kommen doch dieser Dennis Erhardt und Sebastian Breidbach mit ihrer Idee und einem neuen Roman daher und modernisieren nicht nur schonungslos, sondern erfindeen auf Grundlage der bekannten Figurenkonstellationen die Geschichte um John Sinclair neu.
Düster, realistisch, schmutzig?

Und unvermeidlich kommen die ersten Angstschreie, dass eine Ikone zerstört werde!
Zum einen: Nur der Mensch und seine Würde sind unantastbar.
Zum anderen: Ikonische Figuren können auch gar nicht zerstört werden, denn sie existieren in unserer Phantasie.
Und auch nach Dennis Erhardts Roman wird es weiterhin die Heftromanserie geben, die die dortige Welt (wenn auch mit neuen Autoren) fortführt. Oder glaubt tatsächlich jemand, dass Druckwerke, Fahnen und Dateien aus dem alten Sinclair-Universum weltweit gesucht, gelöscht und verbrannt werden, um die klassische Figur und Storyline für immer aus unserem Gedächtnis zu tilgen?
Also, bitte!

Und wer sein ganzes (Freizeit-)Leben ausschließlich um John Sinclair aufgebaut hat und diesen auf einem Heim-Altar anbetet: Geht raus, sucht das wahre Leben … oder professionelle Hilfe!
Heiß beim fünften Bier über einen Lieblingsfilm zu diskutieren und sich über „echte Fragen“ wie Luke oder Han, Star Wars oder Star Trek und Buch oder Verfilmung freundschaftlich zu streiten, macht Spaß, ganz besonders dann, wenn es bewusst überspitzt wird – die Antwort bleibt aber immer eins, nämlich: völlig bedeutungslos!

Nun gut, ein Problem hat sich Dennis Erhardt tatsächlich aufgehalst: Die Erwartungshaltung derer, die seine Geschichten, Skripts und Produkte (insbesondere Hörspiele) kennen!
Warte Kerl, wenn das nicht gut wird!!!! … ;-)

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